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Archive für 7.1.2010
Abenteuer mit Delphinen
7.1.2010 von admin.
In der Tiefe spielte eine große Familie Delphine. Sie sahen genau so aus, wie in dem Bilderbuch, das sie zuhause oft anschauten. Mit strahlenden Augen blickten sie jetzt in die Tiefe. Das Wasser brodelte und spritzte und schon war das Floß von lauter lachenden pfeifenden Gesichtern umgeben. Mit ihren spitzen Nasen stupsten sie an Füße, Arme oder Kopf. Die beiden hielten sich auf dem stark schwankenden Floß fest. Behutsam stupsten die Delphine weiter und bald ließen sich die Kinder ins Wasser gleiten. Sie wurden mit nassem Flossenklatschen und hoch spritzendem Wasser pfeifend begrüßt. Ein kleiner Delphin schlug einen Purzelbaum. Ein anderer sprang hoch aus dem Wasser. Der Junge tauchte ins Wasser und machte auch einen Überschlag. Prustend kam er wieder nach oben. Das Mädchen kraulte den kleinen Delphin, der sich wohlig rekelte. Ein großer rundlicher Delphin mit liebem Gesicht legte sich vor die Kinder. Sie kraulten seinen hellen Hals und hielten sich an ihm fest. Dann kletterten sie auf seinen Rücken und er trug sie pfeilschnell durch die Wellen. Hui, war das ein Vergnügen! Nach einigen Runden flüsterte der Junge: „Ich würde gerne ihre Sprache verstehen.“ „Das wäre toll“ meinte das Mädchen. In diesem Moment machte der große Delphin einen Luftsprung und die Kinder fielen kopfüber ins Wasser. Während sie schwammen, hörten sie viele fröhliche Stimmen:„ … jetzt spielen wir endlich zusammen … ich kann dich tragen … halt dich an mir … ich kraul dich so gerne … schön, dass ihr da seid … es ist toll mit euch … ich mach einen Purzelbaum für dich … komm, wir tauchen zusammen … du bist aber schön … was sind das für Fransen an deinem Kopf … wie lustig deine Finger aussehen … halt dich an mir … ich kann dich tragen … reib mir mal den Rücken … schau mal, wie hoch ich springen kann.“ Verdutzt hörten die Kinder zu, schauten sich an und lachten lauthals. Die Delphine lachten vergnügt mit. Dann spielten und redeten, pfiffen und sangen alle durcheinander. Als es Abend wurde, brachten die Delphine die Kinder sicher an Land und verabschiedeten sich: „Bis morgen, bis morgen, wir freuen uns schon auf euch“ klang es von beiden Seiten. Mit großem Getöse und etlichen Luftsprüngen zogen die lustigen Tiere davon.
So ging es Jahr um Jahr. Die Kinder lernten die Schönheiten des Meeres kennen und seine Gefahren. Sie erlebten, welche Berührungen beruhigten oder wohlig erregten. Sie sangen, tanzten und spielten, tobten und kraulten. Niemals gab es Ärger, denn jeder tat nur, was auch für den anderen schön war. Mit den Jahren wurden die Kinder nicht nur erwachsen wie alle Kinder, sondern sie blieben neugierig und wurden immer mutiger; sie blieben einfühlsam und wurden ständig sicherer. Voller Vertrauen begannen sie jeden Tag. Sie sangen und tanzten und hatten für jeden ein glückliches Lächeln. Ihre Sehnsucht nach Abenteuern sorgte dafür, dass sie ständig neue Freunde fanden.
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Die magische Acht
7.1.2010 von admin.
Melissa blickte erfreut auf den kleinen gelben Schmetterling, der den Weg in ihren Garten gefunden hatte. Sie liebte diesen kleinen Garten mit seinen verwilderten Ecken, den Blüten der wilden Blumen und den immergrünen Sträuchern. Sie liebte die Bäume, die sich über all dem erhoben und ein Stück lichten blauen Himmels zwischen sich einfingen. Melissa saß in der geschützten Ecke an der mit wildem Wein berankten Mauer. Eingekuschelt in eine warme Decke sah sie dem Wind zu, der zärtlich mit den langen Blättern des Sommerflieders spielte. Dann folgten ihre glänzenden braunen Augen einer dicken Hummel die geräuschvoll in den Blüten des roten Fingerhutes nach Honig suchte.
Schon seit Tagen spürte sie die Unruhe in sich, die ihr inzwischen vertraut war. Wenn diese besondere Unruhe sie überfiel, stellte Melissa das kleine Schloss auf den Kopf, putzte und wischte bis alles glänzte. Am Ende landete sie erschöpft aber zufrieden in ihrem kleinen Garten, um sich auszuruhen.
Als sie noch jung und voll überschäumender Energie war hatte sie versucht, sich gegen diese Unruhe zu wehren, die unversehens wie eine Krankheit über sie kam. Doch das hatte sie mehr Kraft gekostet, als all das Putzen. Inzwischen wusste sie, dass ihre heilige Unruhe - wie sie diese bei sich selber nannte - ein untrügliches Zeichen für eine neue Aufgabe war. Früher hatte sie sich innerlich dagegen gewehrt, doch mit der Zeit hatte Melissa sich mit ihrem Schicksal angefreundet. Die Jahre hatten sie ruhiger werden lassen, doch ihre Neugierde war eher gewachsen.
Sie hatte ein verwelktes Blatt zwischen den Fingern und sprach in Gedanken mit den Blumen. Käfer und Regenwürmer betrachtete Melissa als willkommene Helfer, selbst Läuse und Ameisen waren vor ihr sicher. Für sie gab es weder Unkraut noch Ungeziefer. Mit sachte ordnender Hand schaffte sie Lebensraum für all die kleinen Lebewesen. Dafür wurde sie morgens von den ersten Liedern der Amsel geweckt und spät am Abend sang der Zaunkönig sein gefühlvolles Lied.
Eine Amsel setzte sich auf einen nahen Zweig und putzte ihr Gefieder. Zwischendurch flötete sie ein wenig und blickte zu Melissa herüber. Doch deren Gedanken wanderten zurück zu dem Tag vor etwa dreißig Jahren, als ihr der Zusammenhang zwischen ihrer Unruhe und einer entschlossenen Tat deutlich gezeigt wurde …
Mit nassen Kleidern stand eine junge Frau im Gras und hielt ein triefendes Kind an den Füßen. Sie schüttelte das kleine Wesen unsanft, sprach dabei aber beruhigende Worte. Nachdem ein ganzer Schwall Wasser aus dem Mund des Kindes hervorgesprudelt war, begann es kreischend zu schreien. Auch begann es jetzt mit seinen Ärmchen wild um sich zu schlagen. Mit entsetzten Blicken kam der Vater aus der Garage gerannt und nahm ihr die Kleine unwirsch fort. Doch die bösen Worte, die er schon auf der Zunge hatte, blieben ihm im Hals stecken als er die durchnässten Kleider seiner Tochter fühlte. Fragend aber sprachlos blickte er Melissa an.
“Sie ist kopfüber in den Teich gefallen.”
Melissa Stimme klang, als wäre es die normalste Sache der Welt. Inzwischen kamen auch Mutter und Oma gerannt.
“Sie steckte mit dem Kopf im Wasser und zappelte mit den Beinen. Ich sah es zufällig und hab sie raus gezogen.” Melissa wandte sich ab, um zu gehen, doch die plötzlich hervorbrechenden Worte hielten sie zurück.
“Um Gottes willen!” Besitz ergreifend nahm die Mutter ihre kleine Tochter auf den Arm und presste sie fest an sich.
“Mein Gott wie schrecklich.” Weiter vor sich hin lamentierend rannte die Oma nach drinnen und kam mit einer warmen Decke wieder.
“Gott sei Dank, dass du gerade zur Stelle warst.” Der Vater nahm ihre Hand in die seine und schaute durchdringend in Melissas Augen, die wie aus weiter Ferne langsam in die Gegenwart fanden. Erst jetzt fühlte sie die Gefahr, in der das Kind geschwebt hatte. Ihre Beine wurden weich, aber sie ging noch einige Schritte von den andern weg bevor sie sich etwas abseits erschöpft auf die Gartenmauer sinken ließ. Sie schloss ihre Augen und überließ sich ganz den Gefühlen ihres Körpers.
Plötzlich malte in ihrem Innern eine unsichtbare Hand mit einem dicken Pinsel eine liegende Acht. Ihr inneres Auge begann, den Spuren zu folgen, die der Pinsel ständig aufs neue zog. Allmählich bildeten sich in den leeren Flächen Konturen. Im linken Kreis wurde die putzende Melissa erkennbar und rechts erschienen die zappelnden Beine des Kindes, dessen Kopf im Wasser steckte. Beständig malte der Pinsel die Linien der liegenden Acht und verband dadurch die beiden Bilder zu etwas, das offenbar zusammengehörte.
Melissa schlug erstaunt die Augen auf. Ihr fielen noch einige kleinere Begebenheiten der letzten Zeit ein, an denen nach der Unruhe etwas geschehen war, was rasches Handeln von ihr verlangte.
Da war die kleine Katze, die sie ohne nachzudenken mit beiden Händen packte, bevor der Wagen mit den durchgegangenen Pferden ihr Leben beendet hätte.
Oder als sie auf den Markt ging ohne zu wissen warum. Und dann brach neben ihr eine alte Frau zusammen. Sie hätte sich den Kopf auf dem harten Pflaster aufgeschlagen, hätte Melissa nicht blitzschnell ihren Fuß vorgeschoben.
Diese und noch andere Bilder zeigten sich Melissa nun in der von Geisterhand gemalten liegenden Acht. Links sah sie sich putzend und arbeitend und rechts sah sie ein Ereignis, in das sie scheinbar ganz zufällig geraten war.
Ihr wurde unbehaglich zumute, sie musste sich bewegen, um einen klaren Kopf zu bekommen. Während sie durch die naheliegenden Felder wanderte, versuchte sie alles fein säuberlich zu ordnen und jedes Bild für sich allein zu sehen. Doch sobald sie das tat fühlte sie sich wie zerrissen. Alle Knochen schienen sie zu schmerzen und nichts fühlte sich so an, wie es sich anfühlen sollte. Obwohl ihr Verstand sich sträubte, lehrten die Gefühle ihres Körpers sie, zu begreifen, was nicht zu verstehen schien. Seitdem hatte sie damit begonnen, sich in ihr Schicksal ohne Murren zu ergeben.
Ein leises Plätschern ließ Melissa hochblicken. Auf einem dicken Stein am Rande einer dicken Pfütze badete munter ein Spätzchen. Doch ihre Gedanken weilten weiter in der Vergangenheit.
Vor einem Jahrzehnt hatte sie nach so einem Putzanfall überraschend eine Einladung zu einer Reise bekommen. Obwohl sie sich fürchtete mit fast fremden Leuten in eine weit entfernte und einsame Gegend zu reisen, nahm sie an. Sie spürte wie ihr ganzer Körper vor freudiger Erwartung zitterte. Gleichzeitig spürte sie auch die Angst. Würde sie ihre Aufgabe rechtzeitig erkennen? Wenn der Zweifel in ihr fast zur Verzweiflung wurde, kam aus einer Ecke ihres Wesens ein abenteuerlustiger Clown hervor. Tipsi hatte sie ihn genannt. Er erheiterte sie und schenkte ihr so viel Neugier, dass sie ihre Angst vergaß.
Seit dieser Reise konnte sie Tipsi „rufen“, wenn sie ihn brauchte. Er erschien in der liegenden Acht auf der einen Seite und sorgte dafür, dass sie keine Angst mehr vor dem hatte, was in der anderen Seite in naher Zukunft erscheinen würde. Voller Vertrauen tat sie für andere Menschen das, was gerade dran war. Und damit war sie zufrieden und glücklich.
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Das schlafende Mädchen
7.1.2010 von admin.
In einem kleinen Ort,
in dem nicht allzu viele Leute wohnten, lebte in der Mühle ein kleines Mädchen mit seiner Großmutter. Die backte den Leuten täglich köstliches Brot. Dafür halfen ihr die Leute bei anderen Arbeiten. Jeder tat das, was er am besten konnte. Der eine pflügte das Feld und brachte die Ernte ein, ein anderer schleppte die schweren Mehlsäcke. Eine schüttelte den Staub aus den Federn und fegte die Stube. Eine andere schaffte den Abfall weg und rieb die Fenster blank. Eine stellte Blumen auf den Tisch, andere brachten frisches Obst, Gemüse und Fleisch. Allen ging es gut, weil sie sich gegenseitig halfen.
Eines Tages spielte das kleine Mädchen im Keller, als ein Wind plötzlich alle Lichter ausblies und die Tür hinter ihm mit Getöse zuschlug. Das erschreckte das Mädchen so sehr, dass es in einen todesähnlichen Schlaf fiel. Erst am Abend fand die Großmutter das eiskalte Kind. Sie hüllte es in dicke Decken und flößte ihm heißen Tee ein, aber es wachte nicht auf. Jeden Tag wusch und fütterte die Großmutter das Kind, sang ihm Lieder und erzählte Geschichten. Doch das Mädchen schlief und schlief.
Die Leute, die früher gerne geholfen hatten, kamen seltener. Schon bald backten sie ihr Brot alleine, aber es schmeckte ihnen nicht so wie früher. Sie wurden mürrisch und unzufrieden. Die Großmutter wurde immer trauriger und hörte auf zu backen. Das wenige Essen, dass sie noch hatte, fütterte sie dem kleinen Mädchen. Sie selbst trank nur Wasser. Nach einigen Wochen war sie so schwach, dass sie nicht mehr aufstehen konnte. Doch niemand kümmerte sich darum.
In der Nacht träumte die Großmutter von einer guten Fee. „Bitte laß mein kleines Mädchen wieder aufwachen“ bat sie, doch die Fee antwortete nicht. Als die Großmutter am anderen Morgen die Augen aufschlug, sah sie eine fremde Frau, die in der Küche arbeitete und es roch nach frischer Suppe. Die Frau wusch und fütterte zuerst das Mädchen, dann die Großmutter. Anschließend verschwand sie ohne eine Wort. An den folgenden Tagen war sie morgens wieder da und arbeitete bis zum Abend. Schon bald hatte die Großmutter sich erholt und bekam Lust, wieder ihr köstliches Brot zu backen.
Als die anderen Leute den Duft des frischen Brotes rochen, bekamen sie großen Appetit. Mit traurigen Augen kamen sie zur Mühle, weil sie sich schämten. Doch die Großmutter gab ihnen lächelnd von dem köstlichen Brot. Bald kamen die Leute wieder und brachten wie früher etwas mit oder halfen in Haus und Hof. Neugierig hielten sie ein Schwätzchen mit der Großmutter, denn sie spürten, dass etwas Geheimnisvolles geschah. Doch die fremde Frau ließ sich nie sehen.
Die Großmutter wünschte sich sehnlichst, dass ihr kleines Mädchen gesund würde. Sie überlegte den ganzen Tag, wie sie es nur wecken könnte, doch es fiel ihr nichts ein. In der Nacht träumte sie wieder von der guten Fee. Diesmal sprach sie: „Bereitet zum nächsten Vollmond ein großes Fest. Alle Leute sollen helfen und jeder tut das, was er am besten kann. Der eine backt, der andere kocht, manche bringen Tische und Bänke, andere räumen nach dem Fest auf. Schon am Mittag soll es Musik und Tanz geben. Doch bevor die ersten Töne erklingen, laßt das kleine Mädchen auf den Festplatz tragen.“ Und so geschah es. Als die Musik erklang, sangen die Leute fröhlich mit und klatschten begeistert in die Hände. Da schlug das kleine Mädchen endlich die Augen auf. Alle freuten sich darüber und feierten bis der Vollmond hoch am Himmel stand. Die Leute in dem kleinen Ort wußten nun für immer, dass sie nur glücklich sein konnten, wenn alle füreinander da waren.
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