Sommer
Seit Wochen brannte die Sommersonne auf das Land und es fiel kein Regen. Die Wiesen verdorrten. Bäume ließen ihre Blätter hängen. Im Garten musste man ständig gießen … som¬merliche Hitze ohne Abkühlung und kein Ende war abzuse¬hen.
Doch heute Morgen war der Himmel grau und es regnete. Die Menschen freuten sich und begrüßten den Regen mit Erleich¬terung. Alles ist nass, die Regentropfen klingen wie Musik in meinen Ohren. Regen … wie schön er ist!
Wie die Tropfen gegen die Scheiben klatschen und in schnel¬lem Zickzack nach unten rinnen … wie sie von den Blättern fallen nach unten streben … wie sie die ausgetrocknete Erde treffen und sofort gierig aufgesaugt werden …
Mit lautem Klatschen landen die Tropfen in der großen Zink¬badewanne. Eine Dahlienblüte streckt ihre Blütenblätter wie einen umgekehrten Regenschirm dem lebensnotwendigen Was¬ser entgegen und fängt es auf, trinkt es mit allen Fasern, die ihr zur Verfügung stehen. Wie Perlen und Diamanten glänzen die Tropfen auf den Blättern des Frauenmantels. Kleine Tiere brin¬gen sich schnell in Sicherheit, nachdem sie sich zuvor an dem kostbaren Nass gelabt haben.
Ich stehe im Garten und lasse mich auch beregnen. Meine Haare sind nass und ich schüttele sie fröhlich. Mit der Zunge lecke ich die fließenden Tropfen von meinen Lippen. Meine nackten Füße suchen die Pfützen und wühlen sich fröhlich in die fast schon schlammige Erde. Regen … dankbar blicke ich zum wolkenver¬hangenen Himmel!