Begegnung
Ich ging mit einem Freund spazieren. Wir hatten uns an den Händen gefasst und schlenderten gemütlich über den Rhein¬damm. Kurz bevor wir ans Wehr kamen, sah ich etwas auf dem Boden liegen. Ich riss etwas an Walters Hand, um seine Vor¬wärtsbewegung zu bremsen. Er blieb erstaunt stehen und ich bückte mich, um besser sehen zu können.
Zuerst hatte ich das Etwas für eine Eidechse gehalten, doch nun sah ich das Tier aus der Nähe. Es war eine Schlange. Sie war sehr dünn und etwa 30 cm lang. Unbeweglich lag sie vor mir. Ihre Haut schimmerte tief dunkelgrün, an den Seiten lief ein schwarzes Strichmuster. Am Hals hatte sie einen zweiteili¬gen weißen Kragen und die Zunge zischelte in dunkelblau. Ein wun¬dervolles Farbenspiel, das sich uns da bot.
Fasziniert betrachtete ich das schöne Tier noch eine ganze Weile. Dann berührte ich es zart und vorsichtig am Ende sei¬nes Körpers. Zuerst reagierte es nicht, aber dann erhob es seinen Oberkör¬per von der Erde. Langsam und majestätisch bewegte die Schlange sich vorwärts. In großen S-Bögen be¬wegte sich der feine Körper ohne Angst und Eile auf das Gras am Damm zu. Nie war der Kopf am Boden.
Ich genoss den Anblick und fühlte mich beschenkt und sehr glücklich. Ich mochte Schlangen schon immer, hatte nie Angst oder Ekel vor ihnen. Sie erwecken Ehrfurcht in mir und tiefe Liebe.